Landesversammlung 2026: Weichen gestellt für eine moderne, sichere Radmobilität
Am 9. Mai 2026 kam die Landesversammlung des ADFC Bayern im historischen Thon-Dittmar-Palais am Regensburger Haidplatz zusammen – einem Ort, der selbst für den Wandel in der Stadtmobilität steht.

Delegierte aus ganz Bayern fassten wegweisende Beschlüsse, ehrten ein außergewöhnliches Ehrenamt und empfingen prominente Grußwortgeber*innen.
Eröffnung am Haidplatz – ein symbolischer Ort
Eva Mahling, Vorsitzende des ADFC Bayern, eröffnete die Versammlung. Der Tagungsort war dabei kein Zufall: Der Haidplatz, einst eine mehrspurige Durchfahrtsstraße, hat sich zu einem lebendigen Stadtplatz gewandelt. Benedikt Benz, Vorsitzender des ADFC Regensburg, griff diesen Wandel in seinem Grußwort auf: „Die Wiege des Freistaates liegt dort. Da kann man besseres draus machen als Parkplätze!" Sein Wunsch für Deutschland: mehr holländische Radinfrastruktur und mehr Schweizer Zuginfrastruktur. Eine klare Ansage, die viel Applaus erhielt.
Grußworte: Politik, Pedelecs und Piratenflaggen
Bayerns Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz, Thorsten Glauber (Freie Wähler), war persönlich nach Regensburg gereist, um ein Grußwort zu sprechen – und das mit persönlichen Tönen. Er erinnerte an seine eigene Radfahrkindheit, die Piratenflagge am Radl als früher Vorläufer des Sicherheitswimpels, und brachte damit auf den Punkt, was Radfahren im Verkehrsalltag nach wie vor bedeutet: sichtbar sein, Raum einfordern. Mit Blick auf die Gegenwart betonte er das Potenzial des Pedelecs für die Mobilitätswende im Alltag und mahnte zugleich, dass die neuen Geschwindigkeiten auch ein neues Miteinander im Verkehr erfordern.
Glauber berichtete außerdem aus seiner Amtszeit: das Jobrad für den bayerischen Staatsdienst, die Zertifizierung des Umweltministeriums zum Fahrradfreundlichen Arbeitgeber durch den ADFC, die Zusammenarbeit mit dem ADFC bei Trailprojekten im Allgäu und einiges mehr. Er dankte dem ADFC Bayern für seine Beratung und lobte die Zusammenarbeit, unter anderem bei der BR-Radltour. Sein Appell an den Fahrradclub: weiterhin auf der politischen Bühne anzutreten, in Kreistagen und Stadtparlamenten präsent zu sein, und moderne Mobilität voranzutreiben - unabhängig von Parteizugehörigkeit.
Vera Konrad, Mitglied des ADFC-Bundesvorstands, richtete per Videobotschaft Grußworte an die Versammlung. Die seit 2019 aktive ADFC-Engagierte hat die Gründung des Jungen ADFC maßgeblich mitangestoßen und war eine treibende Kraft bei der Verankerung der Jugendorganisation auf Bundesebene.
Beschlüsse: Jugend, Gleichberechtigung, sichere Wege
Die Delegierten fassten vier richtungsweisende Beschlüsse mit großer Mehrheit:
Junger ADFC Bayern in der Satzung verankert: Die Jugendorganisation „Junger ADFC Bayern" erhält einen eigenen Satzungsabschnitt; Landesjugendversammlung und Landesjugendvorstand werden als eigenständige Organe verankert. Damit wird die 2025 auf Bundesebene gegründete Jugendstruktur auch in Bayern auf ein rechtlich verbindliches Fundament gestellt. Ein Sitz im Landesvorstand wird künftig für eine Vertretung des Landesjugendvorstands reserviert.
Paritätische Doppelspitze: Künftig leiten zwei gleichberechtigte Vorsitzende – darunter mindestens eine Frau – gemeinsam den Landesvorstand. Eva Mahling dazu: „Die paritätische Doppelspitze im Vorstand setzt ein deutliches Zeichen für Gleichberechtigung – und die Verankerung des Jungen ADFC Bayern in der Satzung macht klar: Junge Menschen gehören ins Zentrum unserer Vereinsarbeit."
Barrierefreie Rampen an Bahnhöfen: Die Delegierten beauftragten den Landesverband, auf eine Änderung der DB-Richtlinie 81302 hinzuwirken. Die bislang vorgesehenen Schieberinnen an Bahnhofstreppen sind für beladene Räder, Lastenräder und Pedelecs schlicht ungeeignet. Gefordert werden stattdessen bündig in Treppenstufen eingelassene Rampen – eine Lösung, die zugleich Rollkoffern, Kinderwägen und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen zugutekommt.
Schulstraßen für sichere Schulwege: Der ADFC Bayern setzt sich auf Landesebene für die Einführung von Schulstraßen ein, also temporäre Sperrungen vor Schulen zu Schulbeginn und -ende, um das Verkehrschaos durch Elterntaxis zu reduzieren. Eva Mahling: „Kinder haben ein Recht auf einen sicheren Schulweg – zu Fuß oder mit dem Rad. Wo die Gefahrenlage vor Ort klar ist, muss eine Schulstraße schnell und unkompliziert eingerichtet werden können."
Ein herzlicher Abschied: Martin Jobst nach über 45 Jahren Ehrenamt
Einen besonders bewegenden Moment erlebte die Landesversammlung mit der Verabschiedung von Martin Jobst als Vorstandsbeauftragtem für Fundraising. Eva Mahling würdigte seine Arbeit mit warmen Worten: „Du hast den Ball vorgelegt und viel geschaffen für das, was wir jetzt mit dem Team Fundraising weiter erarbeiten und umsetzen werden." Fundraising – das ist für einen Verband wie den ADFC Bayern kein Randthema, sondern ein zentrales Fundament der Arbeitsfähigkeit.
Besondere Gewichtung erhielt die Würdigung durch die Worte von Armin Falkenhein, Ehrenvorsitzender des ADFC Bayern: Er blickte auf eine gemeinsame Geschichte zurück, die vor über 45 Jahren begann und die den ADFC Bayern in dieser Zeit entscheidend mitgeprägt hat. 45 Jahre ehrenamtliches Engagement: Das ist keine Zahl, das ist ein Lebenswerk.
Ein starkes Signal aus Regensburg
Die Landesgeschäftsstelle, der Eva Mahling ausdrücklich für die Organisation der Versammlung dankte, hatte einen würdigen Rahmen geschaffen: für Beschlüsse, die den ADFC Bayern strukturell moderner aufstellen, und für einen Moment der Dankbarkeit gegenüber jemandem, der den Verband über Jahrzehnte begleitet hat.
Regensburg – nördlichste Stadt Italiens, wie Benedikt Benz augenzwinkernd anmerkte – hat an diesem 9. Mai gezeigt, wohin die Reise geht: in Richtung mehr Beteiligung, mehr Sicherheit und mehr Platz fürs Rad.









